„Gerechtigkeit – zwischen Anspruch, Erfahrung und Wirklichkeit“
„Gerechtigkeit – zwischen Anspruch, Erfahrung und Wirklichkeit“
6. Dialogveranstaltung
Datum: 05. Mai 2026
Ort: Xelor KesselhausDieser Link führt zu einer externen Seite, Berlin-Neukölln
Die sechste Ausgabe der Reihe „STADT UND LAND im gesellschaftlichen Dialog“ fand am 5. Mai 2026 im Xelor Kesselhaus statt und widmete sich dem Thema „Gerechtigkeit – zwischen Anspruch, Erfahrung und Wirklichkeit“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Gerechtigkeit gesellschaftlich verstanden, politisch gestaltet und praktisch umgesetzt werden kann.
Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte – Politikwissenschaft
Martin Hikel – Bezirksbürgermeister Berlin-Neukölln (SPD
Prof. Dr. Stefan Gosepath – Professor für Praktische Philosophie (FU Berlin
Laura Farina Diederichs – Strafverteidigerin, Fokus Fehlurteile
Ingo Malter – Geschäftsführer STADT UND LAND
Gerechtigkeit ist ein „Sehnsuchtsbegriff“, der Demokratie trägt, aber schwer eindeutig zu definieren ist.
Drei zentrale Dimensionen nach Karl-Rudolf Korte: „gerecht wählen, gerecht beteiligen, gerecht verändern“.
Subjektives Gerechtigkeitsempfinden beeinflusst politische Entscheidungen oft stärker als objektive soziale Verhältnisse.
„Gerechtigkeit ist und bleibt ein unabgeschlossenes Projekt“ (Stefan Gosepath im Sinne von Rawls).
Recht wird nicht immer gleich angewendet; Fehler und Ungleichheiten sind Teil des Justizsystems (Laura Farina Diederichs).
Gerechtigkeit entsteht auch durch Bildung, soziale Infrastruktur und lokale Netzwerke (Beispiel Rütli-Schule, Martin Hikel).
Die Veranstaltung wurde von STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH als Dialogformat zur gesellschaftlichen Debatte organisiert. Nach der Begrüßung durch Geschäftsführer Ingo Malter eröffnete die Moderatorin Anke Plättner den Abend mit einer zugespitzten Frage nach alltäglichen Gerechtigkeitserfahrungen. Die Keynote hielt Karl-Rudolf Korte, der Gerechtigkeit als zentrales, aber konkurrierendes Motiv politischer Entscheidungen beschrieb. Anschließend diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Philosophie und Rechtspraxis unterschiedliche Perspektiven auf soziale, politische und rechtliche Gerechtigkeit.
Korte analysierte Gerechtigkeit als politischen Orientierungsbegriff, der in Konkurrenz zu Themen wie Sicherheit steht. Entscheidend sei nicht nur Wahlverhalten, sondern auch Beteiligung und die Fähigkeit, gesellschaftliche Veränderungen gemeinsam zu gestalten.
In der Diskussion betonte Laura Farina Diederichs die Unvollkommenheit der Justiz und plädierte für eine stärkere Fehlerkultur im Rechtswesen.
Stefan Gosepath ordnete Gerechtigkeit philosophisch ein und verwies auf John Rawls’ Verständnis von Gerechtigkeit als zentrale Eigenschaft sozialer Institutionen. Entscheidungen müssten aus einer fairen, nachvollziehbaren Perspektive begründet sein.
Martin Hikel brachte die praktische Perspektive der kommunalen Politik ein und verwies auf Bildungs- und Sozialprojekte wie die Rütli-Schule als Beispiel für strukturelle Gerechtigkeitsförderung.
Die Diskussion zeigte, dass Gerechtigkeit kein eindeutig definierter Zustand ist, sondern ein fortlaufender gesellschaftlicher Aushandlungsprozess. Neben rechtlichen und politischen Strukturen spielen Bildung, Teilhabe und soziale Netzwerke eine zentrale Rolle. Alle Beteiligten betonten abschließend die Bedeutung solcher Dialogformate, um Räume für Austausch zu schaffen und demokratische Teilhabe zu stärken.