„Wir leben das Thema Facility“

„Wir leben das Thema Facility“

© Photothek/ Florian Gaertner
Manchmal winkt er einem bekannten Gesicht auf der anderen Straßenseite, meist bleibt er aber doch zu einem kurzen Plausch stehen: Wer mit André Wolff in seinem Quartier unterwegs ist, begreift sofort, was es heißt, Hauswart*in zu sein: Menschen zu grüßen, mit ihnen zu sprechen und stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Mieter*innen zu haben. André Wolff ist Hauswart mit Leib und Seele. Kommen Sie mit auf einen Streifzug durch sein Revier.
„Seit siebzehn Jahren bin ich jetzt hier Hauswart in Tempelhof: Badener Ring, Bayernring, Loewenhardtdamm und Boelckestraße.“ „Mein Bereich liegt im Fliegerviertel“, berichtet André Wolff. Gelernt hat der 61-Jährige einst das Bäckerhandwerk. Das frühe Aufstehen macht ihm also nichts aus. Als ein beruflicher Wechsel anstand, hat er die Stellenausschreibung bei der STADT UND LAND entdeckt. Genauer gesagt bei der STADT UND LAND FACILITY GmbH. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Wohnungsunternehmens. Gegründet wurde „die FACILITY“, wie das Unternehmen gerne genannt wird, vor nicht ganz 20 Jahren, um den gesamten Hauswartbereich besser zu organisieren und zu professionalisieren.
Vorher gab es bei der STADT UND LAND rund 120 fest angestellte Hausmeister*innen, die auch kleine Reparaturen ausgeführt haben. Dazu kamen noch eigene Handwerker*innen, Heizwart*innen und weitere Mitarbeitende für technische Aufgaben inklusive Haus- und Hofarbeiten sowie sogenannte Hausbesorger*innen. Vereinzelt gab es in früheren Zeiten sogar Concierge-Personal und Wäscherinnen.
Als dann die FACILITY gegründet wurde, startete das junge Unternehmen zunächst mit 40 Hauswart*innen. Heute verfügt das Unternehmen über rund 250 Beschäftigte, davon 201 Hauswart*innen. Und einer davon ist André Wolff. Gemeinsam mit vier Kollegen und einer Kollegin ist er für die STADT UND LAND im Quartier tätig. Im Souterrain eines der Wohngebäude haben die sechs ihr Büro für die Verwaltungsarbeit, die auch erledigt werden muss. Es gibt aber auch einen großen Tisch für gemeinsame Kaffeepausen oder Mittagessen. An den Wänden finden sich viele Aufkleber von Hertha BSC und einer von Eisern Union. In einem Nebenraum trocknen Wischbezüge auf einem Wäscheständer.
André Wolff wohnt selbst im STADT UND LAND-Bestand im Fliegerviertel. Bei seiner Einstellung herrschte noch die sogenannte Residenzpflicht. Als Hauswart musste er in sein Zuständigkeitsgebiet ziehen. So sind die Wege kurz und die Menschen vertraut. Der kurze Plausch auf dem Gehweg ist nicht nur irgendein Smalltalk. „Man muss pflegen, was man an Kontakten aufgebaut hat“, so André Wolff. Ein Viertel wie dieses ist eben auch ein Sozialgefüge wie ein kleines Dorf, und er ist ein Teil davon – zuständig für 1.560 Wohneinheiten. Da kommen pro Tag rund 15.000 bis 20.000 Schritte zusammen.
„Angefangen habe ich als ganz normaler Hauswart. Heute lautet meine offizielle Bezeichnung Local Facility Manager“, erläutert André Wolff seine Aufgaben. „Dazu war eine Zusatzqualifikation nötig, ein mehrmonatiger Kurs. Als ich gefragt wurde, ob ich das machen will, habe ich gleich zugesagt. Nur das Stillsitzen im Kurs fiel mir am Anfang schwer. Ich bin doch sonst immer unterwegs und hab immer was zu tun… und dann musste ich plötzlich stundenlang zuhören. Aber die Weiterbildung hat sich für mich und vielleicht auch für das Unternehmen gelohnt. Als Hauswart ist man Ansprechperson für die Mieter*innen, und zugleich muss man auch die Verwaltung zufriedenstellen.“
Als „LFM“ ist man zusätzlich auch der Ansprechpartner für Dienstleister, für andere Unternehmen, für das Bezirksamt oder auch mal für die Polizei, wenn etwas zu klären ist; etwa wenn mal wieder illegal Sperrmüll abgeladen, Fluchtwege versperrt oder Zufahrten zugeparkt wurden. „Man hat mehr Aufgaben, hat viel mehr Dinge zu koordinieren und zu organisieren. Man schaut doch mehr über den Tellerrand der üblichen Aufgaben und trägt auch Verantwortung.“
Es war sicherlich kein Zufall, dass gerade in diesem Quartier die neue Funktion des Local Facility Managers ausprobiert wurde. Denn Koordination und Organisation ist seit Jahren das große Thema zwischen Badener Ring und Loewenhardtdamm: Das Bestandsgebiet der STADT UND LAND wird saniert – oder wie es offiziell heißt: „Es werden umfangreiche Instandsetzungs- und Modernisierungsarbeiten an Gebäuden und in Wohnungen durchgeführt.“
Die Wohnungen in den betroffenen Gebäuden werden auf den neuesten Stand gebracht: Haus für Haus, Aufgang für Aufgang. Auch wenn vielleicht nicht immer alles rund läuft, entscheidend ist doch, dass sich alle im Team Mühe geben. Und das ist aufwendig – nicht zuletzt, weil das historische Quartier aus den 1920er- bis 1940er-Jahren unter Denkmalschutz steht und alle baulichen Maßnahmen von der Denkmalschutzbehörde genehmigt werden müssen.
Eine so umfassende Sanierung von mehreren Hundert Wohnungen, Aufgängen und Fassaden lässt sich nur durchführen, wenn die Mieter*innen für die Dauer der Bauarbeiten ihre Wohnungen verlassen. Für diesen Zeitraum stellt die STADT UND LAND Umsetzwohnungen zur Verfügung.
„Glücklicherweise konnten wir in unserem Viertel alle betroffenen Mieterinnen und Mieter direkt in der Nachbarschaft unterbringen; oftmals nur ein, zwei Straßen weiter. Das ist nicht nur für ältere Menschen wichtig, die sich mit Veränderungen vielleicht schwertun. Auch bei Familien mit Kindern wird darauf geachtet, dass die Kinder weiterhin in die gleiche Kita oder Schule gehen können.“ André Wolff ist in Kürze selbst betroffen. Als Mieter im Viertel wird auch er demnächst für ein paar Monate in eine Umsetzwohnung ausweichen müssen.
Anika Kuhlmann hat genau diese Phase gerade hinter sich gebracht. Sie wohnt mit ihrer Familie am Loewenhardtdamm. In ihrem Abschnitt der Straße sind die Sanierungsarbeiten bereits abgeschlossen. Vor wenigen Monaten konnte sie aus der Umsetzwohnung wieder in ihre eigentliche Mietwohnung zurückkehren.
Nicht alle Mieter*innen können so unbeschwert mit der Belastung während der Sanierungsarbeiten umgehen. Viele, die sowieso schon manche Herausforderungen im Leben zu meistern haben, stoßen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, brauchen Unterstützung und echte Hilfe.
Auch dafür hat André Wolff einen guten Blick. Er kennt die Menschen in seinem Kiez. Wenn man sich länger mit ihm unterhält, gibt er noch mehr Einblicke preis, was er in seinem „Job“ so alles erlebt.
„Ich habe Mieter aufwachsen sehen, ich habe Mieter sterben sehen“, so André Wolff. Besonders bedrückend ist es, wenn Mieter*innen oft über Jahre verbergen, dass sie in echter Armut leben und ihnen das Nötigste fehlt. Oder wenn durch Schicksalsschläge oder schwere Krankheiten Menschen aus der Bahn geworfen werden. Auch das sieht ein Hauswart, meist früher als andere. Und oft deutlicher als manch zuständige Behörde.
„Da helfen wir schon mal aus und bringen eine Waschmaschine vorbei, die ein anderer Mieter nicht mehr braucht. Oder eine Kleiderspende für die Kinder, wenn wir sehen, dass ihre Jacken im Winter zu dünn sind.“ Dann dient das Souterrainbüro als kleines Lager. Entdeckt einer der Hauswarte etwas, das noch zu gebrauchen ist, wartet es hier, bis es vielleicht später jemand anderem nützlich sein kann.
Wertschätzung und Respekt
Im Büro schaut heute auch Jacqueline Schäfer vorbei. Sie ist Teamleiterin bei der STADT UND LAND FACILITY. Unter anderem ist sie auch zuständig für die Bestandsgebiete der STADT UND LAND in Tempelhof. Sie kennt die Herausforderungen in den einzelnen Nachbarschaften: „Wir beobachten schon einen großen Wandel im Zusammenleben der Mieterinnen und Mieter. Das ist vielleicht das größte Problem für unsere Hauswart-Teams. Wenn sich Mieterinnen und Mieter einfach nur an die Hausordnung halten würden, wäre das die größte Wertschätzung für die Hauswartinnen und Hauswarte.“
Auch das Pilotprojekt zur Position des Local Facility Managers hat Jacqueline Schäfer kontinuierlich betreut und eng begleitet. „Die Stelle des LFM ist Gold wert. Herr Wolff ist dafür die ideale Besetzung, er kennt jeden Stein in der Siedlung.“
17 Jahre in einem Kiez: Was hat sich verändert? Was ist heute anders als 2008? „Der Ton ist rauer geworden, er könnte oft respektvoller sein. Viele, die neu herziehen, haben extreme Ansprüche, sehen einen Hauswart vielleicht fast schon, zugespitzt formuliert, wie einen persönlichen Lakaien, wenn etwas nicht schnell genug erledigt wird, oder beschweren sich, wenn vormittags beim Saugen der Treppenhäuser ihr Schlaf gestört wird“, berichtet er von seinen Erfahrungen.
Aber es gibt auch noch genügend Menschen, die wissen, worauf es beim Zusammenleben ankommt. Etwa die Dame aus dem Nachbarhaus, die mit ihren 93 Jahren noch jeden Tag zum Supermarkt geht und kurz mit André Wolff ins Plaudern kommt. Oder die junge Mutter mit zwei Kindern, die gerade von einem Arztbesuch berichtet.
Freut es André Wolff, wenn man ihn als „gute Seele“ des Viertels bezeichnet? „Im Team leben wir das Thema Facility. Wir kümmern uns eben um die Menschen, die hier bei der STADT UND LAND wohnen. Und wir kümmern uns gerne“, lautet seine Antwort.
Kontakt:
STADT UND LAND FACILITY-Gesellschaft mbH
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