Das Auge wohnt mit: Kunstwerke im Bestand der STADT UND LAND

Das Auge wohnt mit: Kunstwerke im Bestand der STADT UND LAND
STADT UND LAND-Mieterin Susanne Rabe hat mithilfe des Wohnungstauschprogramms ein neues Zuhause gefunden.

© Photothek/ Florian Gaertner
Auf der Website der Hauptstadt heißt es: „Kunst am Bau ist mehr als nur dekoratives Beiwerk – sie ist ein integraler Bestandteil der Baukultur.“ Kunst ist ein elementares Bedürfnis des Menschen und schon immer auch Teil von Wohnsiedlungen. Seit 1979 müssen Bauherren sogar einen gewissen Teil der Baukosten für zeitgenössische Kunst aufwenden. Auch in den Beständen der STADT UND LAND gibt es viele Kunstwerke aus unterschiedlichen Jahrzehnten zu entdecken. Die Redaktion nimmt sie mit zu einigen besonderen Beispielen.
Affenfrau, Ernst-Bloch-Straße 35, Hellersdorf
An die farbenfrohe Kunststoffplastik der 1970er-Jahre erinnern die Hauszeichen-Skulpturen von César Olhagaray, die acht Hauseingängen im Roten Viertel zu finden sind. Die Figuren sind jeweils am Balkon angebracht und stellen unter anderem eine Tänzerin, ein Liebespaar oder ein Teufelchen dar. Schwarz-weiß gestreift und gelenkig präsentiert sich die „Affenfrau“, die sich von einem Balkon in der Ernst-Bloch-Straße hangelt und scheinbar mit der Laterne spielt. Die Plastiken bestehen aus metallverstärktem Kunstharz und Acrylfarbe. Der 1951 in Chile geborene Künstler César Olhagaray kam 1974 in die DDR, nachdem er in seiner Heimat durch das Militärregime inhaftiert worden war. Heute pendelt er zwischen Deutschland und Chile.

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Nilpferdbrunnen, John-Locke-Straße 21, Lichtenrade
Berlin scheint ein Faible für knuffige Dickhäuter zu haben: Ganze sechs Nilpferdbrunnen finden sich laut Wikipedia in der Hauptstadt. Einer davon befindet sich auf dem Stadtplatz der John-Locke-Siedlung in Lichtenrade. Vier Beton-Flusspferde geben sich hier ein Stelldichein in einem Fontänenfeld mit sogenannten Schaumeffektdüsen. Die auf Tierplastiken spezialisierte Berliner Bildhauerin Rosemarie Stiller (1920–1990) hat die Nilpferde erschaffen. Der Brunnen wurde im Jahr 1989 eröffnet und erfreut seitdem Jung und Alt. Ursprünglich handelte es sich um eine Wasseranlage, die eine afrikanische Nil-Landschaft symbolisierte. Im Jahr 2015 wurde der Brunnen saniert und zu seiner heutigen Form umgestaltet. Dabei musste auch eines der Nilpferde ersetzt werden.

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Protuberanzen, Falkstraße 25/Morusstraße 18, Neukölln
Protuberanzen sind gigantische Gas- und Plasmaauswürfe auf der Sonne, die man am Rand des Sterns beobachten kann. In ein Kunstwerk umgesetzt hat diese der Berliner Bildhauer Alfred Trenkel. Die sonnenkranzförmige Skulptur aus dem Jahr 1978 ist in der Fußgängerpromenade in der Mitte der Neuköllner Rollbergsiedlung zu sehen, die im selben Jahrzehnt entstanden ist. Die Bronzeplastik ist etwa drei Meter hoch und steht auf einer Betonplatte. Alfred Trenkel war übrigens auch am Wiederaufbau von Schloss Charlottenburg und des Reichstags beteiligt.
Moschusochse, Kruckenbergstraße 40–46, Mariendorf
Schon als Kind war Hans-Joachim Ihle (1919– 1997) von Tieren fasziniert und modellierte immer wieder Motive aus der Natur. Jede Berlinerin und jeder Berliner kennt das Zoo-Aquarium, an dessen Wiederaufbau er maßgeblich beteiligt war. Für den Wiederaufbau des Elefantentors war Ihle gar als künstlerischer Leiter berufen worden. Einzelne Tierfiguren aus dem Werk des Künstlers finden sich im Stadtgebiet verteilt. In der Kruckenbergstraße in Mariendorf steht ein Moschusochse. Leicht abstrahiert und fast mannshoch in Bronze gegossen verharrt die Figur geduldig vor dem Betrachter, der nicht weiß, ob der Moschusochse das Haupt in Ruhe neigt, oder ob er gleich losgaloppieren möchte.

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Kindergärtnerin, Oberspree 25, Köpenick
Leicht lächelnd blickt sie in der Ferne und steht kerzengerade da. Zwei Kinder hängen im Wortsinn an ihrem Rockzipfel. Die „Kindergärtnerin“ ist eine Bronzeskulptur von Eberhard Bachmann (1924–2008), die im Jahr 1961 geschaffen und vier Jahre später in der Niederschöneweider Nachkriegssiedlung aufgestellt wurde. Die Kinder spielen Verstecken, die Erzieherin wirkt wie ein Fels in der Brandung – sie spielt nicht mit, aber bietet den Kleinen Sicherheit. Eine sommerliche Szene, die sich genau so an dieser Stelle auch „in echt“ abgespielt haben könnte. Eberhard Bachmann war als freischaffender Künstler in Hohenschönhausen tätig und lehrte außerdem an der Kunsthochschule Weißensee.