Mit Idealismus und sozialem Gewissen
Über Nachhaltigkeit sprechen viele. Wirklich nachhaltig handeln ist die deutlich größere Herausforderung. Mustafa Makinist hat bereits vor rund 20 Jahren eine entsprechende Idee umgesetzt, als das Wort Nachhaltigkeit noch nicht in aller Munde war. Und die Idee funktioniert noch heute: Es ist ein „Sozialer Computerladen“.

Mustafa Makinist
© Photothek / Juliane Sonntag
Groß ist er nicht, der Laden in der Briesestraße 6. Leicht könnte man daran vorbeigehen. Doch für viele Menschen ist dieser Ort eine Anlaufstelle der besonderen Art. „Wer seinen alten Laptop oder seinen ausrangierten Computer nicht mehr braucht, kann ihn mir vorbeibringen. Dann werden die Geräte überholt und für einen günstigen Preis wieder verkauft“, so kurz und bündig beschreibt Mustafa Makinist seine Geschäftsidee.
2007 startete er damit als Verein, seit 2011 hat er seinen eigenen Laden. „So können sich auch Menschen, die nicht so viel Geld haben, einen Computer leisten. Viele brauchen ihn beispielsweise, um Bewerbungen zu schreiben und wieder einen Job zu finden“, fährt er fort.
Man kann das Ganze auch als Win-win-Situation beschreiben: Nachhaltig ist es in ökologischer Sicht, wenn elektronische Geräte möglichst lange genutzt werden und nicht schon nach wenigen Jahren im Elektroschrott landen oder gar illegal entsorgt werden. Und nachhaltig ist es auf sozialer Ebene, wenn sich Einkommensschwächere günstig einen Rechner oder Monitor kaufen können.
Heimat Neukölln
Mustafa Makinist spürt man seinen Idealismus an. Er verkörpert die Idee eines fairen, gerechten Austauschs; nicht zuletzt, weil er sowohl gelernter Computertechniker als auch ausgebildeter Sozialpädagoge ist. Als Sechsjähriger kam er mit seiner Familie aus der Türkei nach West-Berlin – als klassisches „Gastarbeiterkind“, wie es damals hieß. Auf Umwegen über verschiedene Bezirke ist er irgendwann in Neukölln gelandet und hat sich dort im Umfeld der Karl-Marx-Straße schnell heimisch gefühlt. Nicht nur sein Laden befindet sich hier, er wohnt inzwischen auch um die Ecke in Rixdorf.
„Ich war froh, als ich damals den kleinen Laden in der Briesestraße gefunden habe und ich von der STADT UND LAND anmieten konnte. Einen besseren Gewerbevermieter könnte ich mir gar nicht vorstellen. Die STADT UND LAND unterstützt mich mit meiner Idee, hier einen sozialen Anlaufpunkt im Kiez geschaffen zu haben“, berichtet er weiter.
Der Laden ist mehr als eine reine Annahme- oder Wiederverkaufsstelle. Mustafa Makinist ist für viele Menschen im Kiez, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens standen, ein wichtiger Ansprechpartner und Ratgeber. So hilft er oft beim Übersetzen von Behördenschreiben oder beim Ausfüllen komplizierter Formulare.
„Leider kann ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr alle Werktage im Laden stehen. Aber wer mich braucht, wird mich schon erreichen und soll am besten vorher anrufen“, so der 60-Jährige.
Seit ein paar Jahren hat er ein weiteres Steckenpferd für sich entdeckt: Social Media. So ist sein „Sozialer Computerladen“ mit Kanälen auf YouTube, Instagram und TikTok vertreten, um auch dort seine Ideen und seinen Idealismus zu verbreiten. Da lohnt es sich, einen Like zu hinterlassen oder ihm direkt zu folgen.
SOZIALER COMPUTERLADEN
Briesestraße 6
12053 Berlin-Neukölln
www.sozialer-computerladen.deDieser Link führt zu einer externen Seite